International Newspaper Day 

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Robert Kleinschroth: Sprachen lernen mit dem Computer (1993)

ein Brief einer Studentin aus Osnabrück (1994)

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Robert Kleinschroth: Sprachen lernen mit dem Computer 

Profis am Werk: International Newspaper Day

"Die Londoner Times veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem britischen Mail-box-System Campus 2000 zweimal jährlich den Wettbewerb International Newspaper Day und die mehrsprachigen European Newsdays (Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch). Hunderte von Schulen aus aller Welt produzieren unter realistischen Bedingungen innerhalb eines Tages fremdsprachige Tageszeitungen. Die Endprodukte tauschen die Schulen untereinander aus. Ferner sind alle Redaktionen aufgefordert, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Die beste Zeitung wird von Experten prämiert, ihre Redaktion zur Siegerehrung nach London eingeladen. Dort warten wertvolle Preise auf sie: Computer, Software, Bücher und die vergoldete, gerahmte Titelseite ihrer Zeitung.

In diesen Projekten werden die Lernziele der Fächer ITG (Informationstechnologische Grundausbildung) und der modernen Fremdsprachen nach dem Prinzip learning by doing verwirklicht. Die Teilnehmer erhalten einen tiefen Einblick in das Zeitungswesen sowie in die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien. Mehrere deutsche Schulen haben daran teilgenommen. Einen Tag lang empfangen sie über ihren Computer neueste Meldungen der Nachrichtenagenturen. Ihre Aufgabe ist es, noch am selben Tag eine englische Zeitung zu gestalten, die sie durch eigene Recherchen, Nachrichten und Kommentare erweitern sollen.

Eine Arbeitsgemeinschaft, die aus Schülern von Klasse 9 bis Klasse 13 bestehen kann, bereitet das Projekt vor. Eine Zeitung besteht neben der Tagesaktualität auch aus Feuilleton, Reportagen und Anzeigen, die im Fremdsprachenunterricht oder in der AG sorgfältig vorbereitet werden müssen. Zu jedem Newsday gibt es ein Schwerpunktthema, das die Schulen eigenständig recherchieren. Ferner gilt es, sich mit Hard- und Software vertraut zu machen, denn am Newsday muß alles wie am Schnürchen laufen. Die 'Redakteure' erfahren den gleichen Zeitdruck, der auch den Alltag einer echten Zeitung bestimmt. Kurz vor dem Newsday erhalten die teilnehmenden Schulen ein Informationspaket mit Tips, Mützen, Stickern und Hinweisen zur Durchführung. Campus 2000 verschickt auch den Videofilm Making of the News (40 Minuten), der den Ablauf eines Newsdays aus der Perspektive einer Schülerredaktion schildert.

Werfen wir einen Blick in die Redaktion des Auricher Gymnasiums Ulricianum. Um acht Uhr beginnen die technischen Vorbereitungen. Jeder Schüler hat eine Rolle übernommen, sei es als Chefredakteur, Reporter oder Setzer. Es herrscht durch Routine und Sachverstand gedämpfte Hektik. Ab neun Uhr empfangen sie per E-mail eine Flut an aktuellem Agenturmaterial. Teamwork wird groß geschrieben, denn es müssen beachtliche Textmengen extensiv und intensiv gelesen, ausgewählt, verkürzt, vereinfacht und umformuliert werden. Schlagzeilen werden gefunden, Leitartikel und Meinungsbeiträge verfaßt - wohlgemerkt auf englisch. Alle Rubriken einer Tageszeitung sollen vertreten sein. Die Artikel werden nach London gesendet. Um 13 Uhr ist Redaktionskonferenz, in der die Topstories für die Titelseite ausgewählt werden. Bis 16 Uhr muß das Layout fertig sein. Die Layouter lockern die Seiten durch Photos, Zeichnungen und Kreuzworträtsel auf, dann müssen die Druckfahnen korrigiert werden. Bis 17 Uhr sind die Druckvorlagen erstellt, eine Stunde später geht die Zeitung in Druck. Am nächsten Tag verkaufen die Schüler die einzige englische Zeitung, die von Deutschen gemacht wurde, auf den Straßen ihrer Stadt. Ein Exemplar erhält die Jury in London. Die dritte Ausgabe der Zeitung des Gymnasiums Ulricianum in Aurich, The Ulricianum Times, hatte einen Umfang von zwölf Seiten und eine Auflage von 6000 Exemplaren. Die Herstellungskosten von 3500 DM wurden durch die Anzeigen und den Verkauf gedeckt (Donath 1991).

Die Auricher Schüler haben schon wiederholt gesiegt, trotz des Handicaps, nicht in ihrer Muttersprache schreiben zu können. Aber vielleicht liegt der Reiz gerade darin, erworbene Fertigkeiten zu erproben. Es ist nicht schwer nachzuempfinden, welchen Motivationsschub ein solch kreativer und handlungsorientierter Englischunterricht bei den Teilnehmern bewirken kann. Projekte dieser Art werden erst durch Datenfernübertragung und die schnelle Informationsverarbeitung per Computer möglich.

aus: Robert Kleinschroth: Sprachen lernen mit dem Computer: Reinbek 1993 (rororoSprachen 9520)

mehr zu Roberth Kleinschroth und seinen Büchern

Dieser Text erschien leicht verändert (und mit dem Bild der Ausgabe no. 9 (1995) auch in Robert Kleinschroths Buch "Neues Lernen mit dem Computer" (Reinbek 1996, rororoComputer 9841), S. 221 - 223)

 

Oktober 1994 - Brief von Kirstin H. (Uni Osnabrück)

Sehr geehrter Herr Donath,

Ich bin Lehramtsstudentin in Osnabrück und bereite mich zur Zeit auf die mündlichen Staatsexamensprüfungen vor. In Pädagogik ist eines meiner Themen "Handlungsorientierter Unterricht". Da ich vor ca. 1 Jahr ein Seminar zu diesem Thema besuchte, in dem eine ehemalige Schülerin Ihres Gymnasiums (Anne Wieneke - schöne Grüße!) von dem "International Newspaper Day" berichtete, entschloß ich mich jetzt, von diesem tollen Projekt in der Prüfung zu berichten.

In Ihren Artikeln dazu las ich, das man sich gegen Rückporto eine Ausgabe der Zeitung bei Ihnen bestellen kann, und das wollte ich auf diesem Wege gerne tun. - Hoffentlich gilt das Angebot noch, die Artikel sind schon 3 Jahre alt.

Läuft das Projekt immer noch an Ihrer Schule? Hat sich einiges verändert?

Über eine baldige Antwort von Ihnen (oder der Redaktion) würde ich mich sehr freuen.

P.S.: Die Prüfung findet in 2 Wochen statt.

Mit freundlichen Grüßen

K. H.

 

Artikel in "Der Fremdsprachliche Unterricht Englisch" 

Pädagogische Zeitschriften bei Friedrich in Velber in Zusammenarbeit mit Klett, Jahrgang 38, Heft 71, September 2004 ab Seite 15

Best.-Nr. 26071

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zuletzt geändert: 15.09.04 16:21:53
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