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Robert
Kleinschroth: Sprachen lernen mit dem Computer Profis
am Werk: International Newspaper Day "Die
Londoner Times veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem
britischen Mail-box-System Campus 2000 zweimal jährlich den
Wettbewerb International Newspaper Day und die mehrsprachigen
European Newsdays (Englisch, Französisch, Spanisch,
Deutsch). Hunderte von Schulen aus aller Welt produzieren unter
realistischen Bedingungen innerhalb eines Tages fremdsprachige
Tageszeitungen. Die Endprodukte tauschen die Schulen untereinander
aus. Ferner sind alle Redaktionen aufgefordert, an einem Wettbewerb
teilzunehmen. Die beste Zeitung wird von Experten prämiert, ihre
Redaktion zur Siegerehrung nach London eingeladen. Dort warten
wertvolle Preise auf sie: Computer, Software, Bücher und die
vergoldete, gerahmte Titelseite ihrer Zeitung. In
diesen Projekten werden die Lernziele der Fächer ITG
(Informationstechnologische Grundausbildung) und der modernen
Fremdsprachen nach dem Prinzip learning by doing
verwirklicht. Die Teilnehmer erhalten einen tiefen Einblick in das
Zeitungswesen sowie in die modernen Informations- und
Kommunikationstechnologien. Mehrere deutsche Schulen haben daran
teilgenommen. Einen Tag lang empfangen sie über ihren Computer
neueste Meldungen der Nachrichtenagenturen. Ihre Aufgabe ist es,
noch am selben Tag eine englische Zeitung zu gestalten, die sie
durch eigene Recherchen, Nachrichten und Kommentare erweitern
sollen. Eine
Arbeitsgemeinschaft, die aus Schülern von Klasse 9 bis Klasse 13
bestehen kann, bereitet das Projekt vor. Eine Zeitung besteht neben
der Tagesaktualität auch aus Feuilleton, Reportagen und Anzeigen,
die im Fremdsprachenunterricht oder in der AG sorgfältig
vorbereitet werden müssen. Zu jedem Newsday gibt es ein
Schwerpunktthema, das die Schulen eigenständig recherchieren.
Ferner gilt es, sich mit Hard- und Software vertraut zu machen, denn
am Newsday muß alles wie am Schnürchen laufen. Die
'Redakteure' erfahren den gleichen Zeitdruck, der auch den Alltag
einer echten Zeitung bestimmt. Kurz vor dem Newsday erhalten
die teilnehmenden Schulen ein Informationspaket mit Tips, Mützen,
Stickern und Hinweisen zur Durchführung. Campus 2000 verschickt
auch den Videofilm Making of the News (40 Minuten), der den
Ablauf eines Newsdays aus der Perspektive einer
Schülerredaktion schildert. Werfen
wir einen Blick in die Redaktion des Auricher Gymnasiums Ulricianum.
Um acht Uhr beginnen die technischen Vorbereitungen. Jeder Schüler
hat eine Rolle übernommen, sei es als Chefredakteur, Reporter oder
Setzer. Es herrscht durch Routine und Sachverstand gedämpfte
Hektik. Ab neun Uhr empfangen sie per E-mail eine Flut an aktuellem
Agenturmaterial. Teamwork wird groß geschrieben, denn es müssen
beachtliche Textmengen extensiv und intensiv gelesen, ausgewählt,
verkürzt, vereinfacht und umformuliert werden. Schlagzeilen werden
gefunden, Leitartikel und Meinungsbeiträge verfaßt - wohlgemerkt
auf englisch. Alle Rubriken einer Tageszeitung sollen vertreten
sein. Die Artikel werden nach London gesendet. Um 13 Uhr ist
Redaktionskonferenz, in der die Topstories für die Titelseite
ausgewählt werden. Bis 16 Uhr muß das Layout fertig sein. Die
Layouter lockern die Seiten durch Photos, Zeichnungen und
Kreuzworträtsel auf, dann müssen die Druckfahnen korrigiert
werden. Bis 17 Uhr sind die Druckvorlagen erstellt, eine Stunde
später geht die Zeitung in Druck. Am nächsten Tag verkaufen die
Schüler die einzige englische Zeitung, die von Deutschen gemacht
wurde, auf den Straßen ihrer Stadt. Ein Exemplar erhält die Jury
in London. Die dritte Ausgabe der Zeitung des Gymnasiums Ulricianum
in Aurich, The Ulricianum Times, hatte einen Umfang von
zwölf Seiten und eine Auflage von 6000 Exemplaren. Die
Herstellungskosten von 3500 DM wurden durch die Anzeigen und den
Verkauf gedeckt (Donath 1991). Die
Auricher Schüler haben schon wiederholt gesiegt, trotz des
Handicaps, nicht in ihrer Muttersprache schreiben zu können. Aber
vielleicht liegt der Reiz gerade darin, erworbene Fertigkeiten zu
erproben. Es ist nicht schwer nachzuempfinden, welchen
Motivationsschub ein solch kreativer und handlungsorientierter
Englischunterricht bei den Teilnehmern bewirken kann. Projekte
dieser Art werden erst durch Datenfernübertragung und die schnelle
Informationsverarbeitung per Computer möglich. aus:
Robert Kleinschroth: Sprachen lernen mit dem Computer: Reinbek
1993 (rororoSprachen 9520) mehr
zu Roberth Kleinschroth und seinen Büchern
Dieser
Text erschien leicht verändert (und mit dem Bild der Ausgabe no. 9
(1995) auch in Robert Kleinschroths Buch "Neues Lernen mit dem
Computer" (Reinbek 1996, rororoComputer 9841), S. 221 - 223) Oktober
1994 - Brief von Kirstin H. (Uni Osnabrück)
Sehr
geehrter Herr Donath, Ich bin
Lehramtsstudentin in Osnabrück und bereite mich zur Zeit auf die
mündlichen Staatsexamensprüfungen vor. In Pädagogik ist eines
meiner Themen "Handlungsorientierter Unterricht". Da ich
vor ca. 1 Jahr ein Seminar zu diesem Thema besuchte, in dem eine
ehemalige Schülerin Ihres Gymnasiums (Anne Wieneke - schöne
Grüße!) von dem "International Newspaper Day"
berichtete, entschloß ich mich jetzt, von diesem tollen Projekt in
der Prüfung zu berichten. In
Ihren Artikeln dazu las ich, das man sich gegen Rückporto eine
Ausgabe der Zeitung bei Ihnen bestellen kann, und das wollte ich auf
diesem Wege gerne tun. - Hoffentlich gilt das Angebot noch, die
Artikel sind schon 3 Jahre alt. Läuft
das Projekt immer noch an Ihrer Schule? Hat sich einiges verändert? Über
eine baldige Antwort von Ihnen (oder der Redaktion) würde ich mich
sehr freuen. P.S.: Die Prüfung
findet in 2 Wochen statt. Mit
freundlichen Grüßen K. H.
Artikel in "Der Fremdsprachliche Unterricht
Englisch"
Pädagogische
Zeitschriften bei Friedrich in Velber in Zusammenarbeit mit Klett,
Jahrgang 38, Heft 71, September 2004 ab Seite 15 Best.-Nr.
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